„Wemm es die Kermes?“ 

Kirmes, das war und ist für viele Hochwälder ein großer Tag, ja oft der bedeutendste Tag des Jahres. An der Kirmes wird das Patronatsfest der Kirche gefeiert. Es ist ein hohes kirchliches, aber auch zugleich ein wichtiges weltliches Fest. Bereits in der Vergangenheit traf man sich an der Kirmes, die Großfamilie, Onkel und Tanten, Brüder und Schwestern, Kusinen und Vettern. Von überall her reiste man an, ob aus Westfalen, dem Saarland oder aus dem Nachbardorf - die Entfernung spielte keine Rolle. An der Kirmes fuhr eben jeder gerne "heim". So war die Kirmesgesellschaft zahlenmäßig stets recht ansehnlich, und häufig galt die Zahl der Gäste als ein heimlicher Gradmesser der Beliebtheit. Viele Kirmesgäste bedeuteten viel Ehr. 

 

Heute sieht man sich öfters. Man fährt mal kurz am Wochenende "nach Hause", telefoniert regelmäßig miteinander und bleibt so in ständiger Verbindung. Heute braucht man nicht mehr die Kirmestage, um seine Verwandtschaft oder die früheren Jugendfreunde zu sehen. Schon Wochen vorher begannen früher die Kirmes-Vorbereitungen. "Unser Dorf soff schöner werden", das war das allgemeine Motto, auch wenn es diese Formulierung noch nicht gab. Das Dorf wollte sich den vielen Gästen von der besten Seite zeigen, und so räumte jeder gründlich seinen Hofbering auf. Selbst die fetzte Latte im morschen Gartenzaun wurde erneuert. 

 

Natürlich wurde auch rechtzeitig vor der Kirmes geschlachtet, Wurst gemacht, Fleisch "eingesolbert" und geräuchert“ An der Kirmes durfte es eben an nichts fehlen, auch wenn es an vielen anderen Tagen recht ärmlich zuging. In der letzten Woche vor der Kirmes hielten die Frauen großen Hausputz. 

Freitags und samstags wurde gebacken, frisches Brot und Kuchen. Es gab Hefekuchen mit Streusel, der bekannte "Riwwelnkochen" und den Kranzkuchen, "en Bond", wie man in manchen Orten sagte, ein Kuchen, der in einer gusseisernen Form gebacken wurde. In einigen Dörfern kannte man auch den Beerenfladen. Der Kirmestag begann mit einem feierlichen Hochamt, meist "dreispännig", wie der Volksmund sagt, und man meint damit ein Levitenamt. In vielen Dörfern gab es auch eine Kirmesprozession. 

 

Nach dem reichlichen Kirmesessen trank, man selbstgebrannten Schnaps, Viez und in einigen Dörfern verschiedene Weine, die selbst hergestellt waren. Nur wohlhabende Bauern konnten sich ein echtes Moseltröpfchen leisten. Nach dem Kaffee machte man einen Spaziergang durchs Dorf. Der Kirmesplatz, meist nur mit einem Kettenkarussell und einem Stand, der all die vielen Herrlichkeiten für die Kinder bereithielt, war das allgemeine Ziel und der Mittelpunkt des Festes.

 

Zu dem Gang durchs Dorf gehörte für die Männer ein Besuch in der Dorfwirtschaft. Hier traf man entfernte Verwandte, frühere Schulkameraden oder Jugendfreunde, aber auch Gäste aus den Nachbarorten, die zur Kirmes kamen. Zur fortgeschrittenen Stunde, wohl auch durch die aus Hopfen und Malz geschöpfte Kraft gestärkt, erklang dann der herausfordernde Ruf,
 "Wemm es die Kermes?"


"Uuser!" war die selbstbewusste Antwort der Einheimischen, und die "Fremden" wurden mit nach Hause genommen. Dort wurde reichlich aufgetragen, und niemand durfte von der Kirmes hungrig heimgehen.

 

Aber oft ging es nicht so gutnachbarschaftlich zu. Häufig, ja allzu häufig, entwickelte sich zur nächtlichen Stunde eine deftige Kirmesschlägerei. Auch das gehörte dazu, genauso wie der Kirmestanz am Abend in der Wirtschaft. Der Kirmesmontag war früher ebenso ein hoher Feiertag wie der Sonntag. Allerdings blieb hier die Dorfgemeinschaft mehr unter sich., denn die vielen Besucher waren mittlerweile abgereist, wohl versorgt mit Kirmeskuchen und einer Kleinigkeit für die Daheimgebliebenen.

 

Noch heute kommt der Kirmes ein hoher Stellenwert im Gemeinschaftsleben zu. In den Gemeinden der Verbandsgemeinde Kell am See wird gerne und ausgiebig gefeiert. Unsere Veranstaltungsübersicht informiert Sie über die wichtigsten Feste und Veranstaltungen in den Ortsgemeinden. Unsere Vereine finden Sie im Vereinsverzeichnis.

 


Eine faszinierende Ausstellung findet man im Heimatmuseum Zerf, Engelstraße 1, 54314 Zerf.

Weitere Auskünfte erhalten Sie bei der Tourist-Information, Hochwald-Ferienland, 06589/1044

Heimatmuseum Zerf

Die silberne Glocke im Braunen Bruch, 

Von silbernen Glocken weiß der Volksmund hier im Hochwald zahlreiche Sagen zu erzählen. In manch einer stillen Kirche, so sagt man, hing früher einmal eine silberne Glocke, die durch plötzlich hereinbrechende Kriegswirren verloren ging oder von der ängstlichen Bevölkerung vorsorglich so gut versteckt wurde, dass später niemand mehr genau wusste, wo die wertvolle Glocke wiederzufinden war. In Schillingen, so weiß De Lorenzi zu berichten, hing tatsächlich einmal eine silberne Glocke, eine Glocke aus 186 Pfund reinem Silber. Sie wurde von den beiden Domherren Graf Robert von Oberstein und Gerhard von Saarbrücken zum Dank für eine wundersame Rettung während einer Jagd im Schillinger Wald gestiftet. Um diese silberne Glocke rankt sich folgende Sage: 

 

Der Dreißigjährige Krieg mit seinen Schrecknissen hatte auch die stiften Täler des Hochwaldes nicht verschont. Besonders in seiner letzten Periode, im schwedisch-französischen Krieg, wurde die Hochwaldbevölkerung hart mitgenommen. Vor den sengenden und plündernden Kriegshorden suchte sie in den dichten, fast unzugänglichen Wäldern Zuflucht. Die Schillinger hatten das Wenige, das die Kriegszeit ihnen noch belassen hatte, in ihr bewährtes Versteck im heutigen "Keller Gebrüch" nördlich der "Alten Trierer Straße" in Sicherheit gebracht. Bei der überhasteten Flucht hatte man aber vergessen, die Glocke vom Turm zu holen. Wenn man doch wenigstens die silberne Glocke in Sicherheit wüsste! Rasch wurden einige junge Leute damit beauftragt, die Glocke im "Braunen. Bruch" an einer leicht zugänglichen Stelle zu verbergen. Tatsächlich gelang es ihnen, unbemerkt mit der eiligst geborgenen Glocke zur vorgenannten Stelle zu gelangen. Da sahen. sie sich plötzlich von schwedischen Reitern umringt. Wahllos warfen die Burschen die Glocke an der ersten besten Steife in den Sumpf und suchten ihr Heil in der Flucht. Doch umsonst, keiner erreichte lebend die Seinen. 

 

So weiß heute niemand mehr genau den Ort, wo die silberne Glocke begraben liegt. Angeblich sollen "Sonntagskinder" sie zuweilen im "Braunen Bruch" läuten hören. Heimlich hat schon mancher Dorfinsasse Nachforschungen angestellt, bis jetzt leider noch vergeblich. Die Dorfchronik. weiß von einer anderen Version über das Verschwinden. der silbernen Glocke zu berichten. Danach wurde die Glocke von einem Schweden geraubt. Aber mit seiner Beute kam er nicht weit. Im nahen "Braunen Bruch" ereilte ihn die wohlverdiente Strafe. Sein Pferd scheute plötzlich und sprang in den tiefen Sumpf. Roß und Reiter mitsamt der kostbaren Beute fanden dort ihr stilles, verschwiegenes Grab. Unheimlich ist es, dort zur Geisterstunde vorbeizufahren. Allnächtlich läutet dann der Schwede im Moor mit der gestohlenen Glocke. Ängstliche Naturen, die sich auf dem Nachhauseweg von Schillingen verspätet haben, beschleunigen unwillkürlich ihre Schritte und atmen erleichtert auf, wenn sie hinter dem "Heckelchen" die ersten Häuser von Heddert sehen. 

 


Die restaurierte "Alte Mühle" in Kell am See

Weitere Auskünfte erhalten Sie bei der Tourist-Information, Hochwald-Ferienland, 06589/1044

 

Alte Mühle

Das Mülle-Matze-Kreuz - am Teufelskopf

Mülle Matz lebte vor langer Zeit auf einem Bauernhof im Hochwald Er war stolz auf sein Haus, dessen Türsturz die alte Hausmarke in Form einer Rune zierte, auf seine Felder und das kleine Dorf. Knechte und Mägde konnte er nicht beschäftigen. Nur bei der Kartoffelernte half ihm schon viele Jahre der rote Hannes. Seit einiger Zeit trieb im sonst friedlichen Hochwald eine Räuberbande ihr Unwesen. Ihr Anführer sollte "Huhnes" sein, der angeblich tagsüber friedlich im Wirtshaus saß oder seiner Arbeit nachging, des Nachts aber den Räuberhauptmann spielte. Seine Kühnheit ging so weit, dass er Schilder in den Wäldern anbrachte mit der Inschrift:

 

"Es sind unser dreißig, des Nachts sind wir fleißig, den Armen tun wir nichts, den Reichen schadet's nicht."

Aber jeder wusste: Huhnes und seine Spießgesellen nahmen. es nicht so genau mit dem Begriff arm und reich. Wie jedes Jahr, wollte Mülle Matz zum Markt im Nachbarort gehen, dieses Mal mit einem fetten Ochsen. Trotz vieler Warnungen nahm er den Weg über den Teufelskopf, mitten durch das Revier des Huhnes. Sein Eichenstock. gab ihm vermeintliche Sicherheit. Nachdem Matz den fetten Ochsen gegen klingende Münzen eingetauscht hatte, blieb er bis zum späten Abend im Wirtshaus. Beim Abschied meinte der Wirt, er habe heute manches unbekannte Gesicht gesehen. Doch das störte den mutigen Bauern nicht. Er verließ sich auf seinen eichenen Spazierstock. Im Dunkel des Waldes bekam es Mülle Matz dann doch mit der Angst zu tun. Plötzlich hörte er Schritte vor sich, und eine Gestalt mit einem Knüppel forderte drohend Geld oder Blut. Doch Matz war schneller. Sein Eichenstock. sauste dem Räuber über den Schädel. Dieser aber brüllte in die Nacht "Huhnes! Huhnes!". Von allen Seiten stürmte nun lichtscheues Gesindel aus dem Gebüsch heran. Es war niemand anderes als Huhnes und seine Spießgesellen. Blitzschnell hatte Mülle Matz die Gefahr erkannt und verschwand im Dunkeln, die Räuber hinter ihm her. Schließlich erinnerte Matz sich einer hohlen Eiche, fand sie und tauchte in deren dunkler Höhle unter. Die Verfolger stürmten fluchend vorbei in die Nacht. Nun tastete Matz vorsichtig die Wände seiner Höhle ab, aber was er da entdeckte, war entsetzlich. Er war in Gesellschaft von Toten, alles offensichtlich Opfer des Huhnes. In seiner Angst gelobte er, an dieser Steffe ein Kreuz aufzurichten, wenn er mit dem Leben davonkomme. Das mörderische Gesindel kam wieder näher, und nun erkannte er die Stimme jenes roten Hannes, den er schon lange als Tagelöhner beschäftigte. Nach einer schrecklichen Nacht traute sich Mülle Matz aus dem Baum heraus und lief nach Hause. Dem Räuberhauptmann Huhnes konnte schnell das Handwerk. gelegt werden. Mülle Matz aber, der mit heiler Haut davonkam, hielt sein Gelübde. Heute erinnert das Mülle-Matz-Kreuz, ein Eichenkreuz am Hang des Teufelskopfes, an jene Schreckensnacht.

 


Das Verbandsgemeindeorchester Kell am Seeist weit über die Verbandsgemeindegrenzen bekannt.

Weitere Auskünfte erhalten Sie bei der
  Tourist-Information
Hochwald-Ferienland
06589/1044

Verbandsgemeindeorchester

Das goldene Kalb von Lampaden 

Von der Ruwer führt ein schmales Wiesental hinauf nach Lampaden. Rechts und links des Tales wachsen Bäume und Sträucher an den zerklüfteten Hängen. Ein dichtbewaldeter Hang fährt den Namen "die Dachslöcher". In der Tat sind unter den Hecken sogenannte Dachsfächer, Öffnungen zu niedrigen Stoffen, zu sehen. 0b wirklich Dachse diese Stollen. gebaut haben, das weiß niemand. Es liegt etwas Geheimnisvolles darüber, und bis heute hat erst einer versucht, es zu ergründen. Es war der "Föder Häns". Er hatte seine Wiese gemäht und sich an den Waldrand gesetzt, nicht etwa, weil er müde war. Während des ganzen Tages hatte er schon nachgegrübelt über das Geheimnis, das über den Dachslöchern lag. Dies beschäftigte ihn schon seit seiner frühesten Jugend. Er wollte sich endlich Klarheit verschaffen, aber keiner sollte ihn dabei sehen. Und so wartete er denn ab, bis die anderen Mäher weggegangen waren. Er wählte sich das größte Loch, kroch auf allen. Vieren hinein und kam in einen weiten Gang. Diesem ging er tastend nach und kam schließlich an eine große eiserne Tür. Sie stand soweit auf, dass eine Katze sich hätte durchzwängen können, und durch diesen Spalt sah Föder Häns in eine weite Höhle. Was sich da seinen Augen darbot, ließ ihn erstarren. Auf einem Tisch lag ein goldenes Kalb, dessen Glanz den großen Raum erhellte. Um den Tisch herum saßen sieben Riesen, gewaltig und mächtig, die keinen Blick, von dem goldenen Kalb wandten. An den Wänden hingen Waffen, Schwerter und Spieße von riesiger Länge. "Föder Häns" verging der Mut bei diesem Anblick.. Still wie er gekommen, nur etwas schneller, kroch er hinaus. Lange Jahre erzählte er nichts von diesem seltsamen Erlebnis. Erst im hohen Alter gab er das Geheimnis preis. Aber niemand mehr hat seither den Gang in die Höhle gewagt.


Quellen: Bildband der Verbandsgemeinde Kell am See,

Dittmar Lauer "Sagen Spichten und Geschichten"