Flüchtlingssituation in der Verbandsgemeinde Kell am See

Verbandsgemeinde Kell am See , den 15.10.2015

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,


auf diesem Wege wende ich mich an Sie, um über die aktuelle Flüchtlingssituation in der Verbandsgemeinde Kell am See zu unterrichten.


Der große Zustrom von Flüchtlingen ist derzeit das beherrschende Thema in unserem Land. Der Bund, die Länder und die Kommunen stehen vor einer riesigen Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Die großen Probleme wie beispielsweise die Bekämpfung der Fluchtursachen in den Herkunftsländern, eine Reduzierung von weiteren Flüchtlingsströmen, eine Kontrolle der Grenzen oder die Rückführung derer, die kein Bleiberecht bei uns haben, können wir nicht vor Ort lösen. Aus den Medien ist täglich zu erfahren, dass mögliche Lösungsansätze sehr kontrovers diskutiert werden und dass die Meinungen in der Bevölkerung ebenfalls sehr unterschiedlich ausfallen. Wir müssen bei uns in unseren Dörfern die Aufgaben erfüllen, die an uns gestellt werden. Unabhängig von den vielen offenen Fragen, die die „große Politik“ zu regeln hat, werden sich auch bei uns Veränderungen ergeben.


In den 13 Orten unserer Verbandsgemeinde sind momentan rd. 60 Flüchtlinge untergebracht. Diese Zahl wird sich in den kommenden Wochen deutlich erhöhen. In der Ortsgemeinde Kell am See laufen die Vorbereitungen für die Aufstellung von mobilen Wohneinheiten, die Platz für mehr als 70 Menschen bieten werden. Darüber hinaus steht möglicherweise eine private Immobilie zur Verfügung, in der eine größere Anzahl von Personen untergebracht werden kann. Die weitere Entwicklung ist von vielen Faktoren abhängig und kann von niemandem genau vorhergesagt werden. Bei der Betreuung der Flüchtlinge werden wir vom Landkreis Trier-Saarburg und der Caritas personell unterstützt.


Die wichtigste Aufgabe in diesem Zusammenhang ist neben der menschenwürdigen Unterbringung die Integration der Menschen in unserer Gesellschaft. Hierbei sind wir alle gefordert und hierauf sollten wir uns konzentrieren. Unsere Dörfer bieten hierfür gute Voraussetzungen. Die bestehenden Strukturen eröffnen vielfältige Möglichkeiten der Integration. Besonders den Vereinen und sonstigen Gruppierungen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu und ich bin mir sicher, dass gerade sie einen sehr großen und wichtigen Beitrag zum Gelingen dieser Aufgabe leisten können. Seit einigen Monaten ist in unserer Verbandsgemeinde ein Flüchtlingsnetzwerk aktiv, das bereits sehr viele wertvolle Dienste geleistet hat. Aber auch jeder Einzelne kann sich mit einbringen und in seinem Umfeld helfen. Bereits jetzt bedanke ich mit bei allen, die sich bislang ehrenamtlich engagiert haben und, da bin ich mir sicher, dies zukünftig tun werden.


Nach wie vor problematisch ist die Gewinnung von Wohnraum für die Flüchtlinge. Ich appelliere daher auf diesem Wege an alle Besitzer von leerstehenden Häusern und Wohnungen, diese der Verbandsgemeindeverwaltung zu einer Anmietung anzubieten.


Inwieweit wir künftig auf Geld- oder Sachspenden zur Bewältigung dieser großen Aufgaben angewiesen sein werden, ist noch nicht absehbar. Wir werden Sie darüber gezielt und bedarfsgerecht informieren.


Es darf an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass die neue Situation auch zu Problemen führen kann. Die Menschen, die zu uns kommen, stammen aus fremden Kulturkreisen, gehören anderen Religionen an und sprechen eine andere Sprache. Dies fordert von uns allen ein hohes Maß an Toleranz. Wir erwarten aber auch von den Flüchtlingen, dass sie sich bemühen, sich unseren Lebensgewohnheiten anzupassen und diese auch akzeptieren. Sie müssen sich an unsere Regelungen halten und es darf neben unserer keine Parallelgesellschaft entstehen.


Ich bitte Sie alle darum, im Rahmen Ihrer Möglichkeiten einen Beitrag zur Bewältigung der vor uns liegenden großen Aufgabe zu leisten.


Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Martin Alten, Bürgermeister