VGV_neu.jpg Verbandsgemeinde Kell am See

 

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Caritas Pfarrei Hermeskeil

 

Landkreis Trier-Saarburg

Willkommens-Netz

 


 

7. Infobrief Flüchtlingschancen

in der Verbandsgemeinde Kell am See

 

Liebe Aktive in der Flüchtlingshilfe,

 

heute möchten wir das Thema „Familien und Kinder“ mit einem Kurzgutachten des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend  in den Mittelpunkt unserer Informationen stellen.

 

Aus vielen Rückmeldungen wissen wir, dass viele Verantwortliche in KiTa ̀s, Schulen, aber auch Sie, die Ehrenamtlichen, hier Handlungsbedarf sehen.

 

Die gesamte Studie finden Sie unter:

 

https://www.bmfsfj.de/blob/119734/9715f720b0090d71d4cbe797586a9cec/kurzgutachten-gefluechtete-familien-data.pdf

 

Wir haben uns erlaubt einige, uns wichtige Passagen, für Sie zu komprimieren:

 

Aus Kriegsgebieten geflüchtete Familien und ihre Kinder:

Entwicklungsrisiken, Behandlungsangebote, Versorgungsdefizite

Kurzgutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen beim

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

J. M. Fegert, C. Diehl, B. Leyendecker, K. Hahlweg und der

Wissenschaftliche Beirat1

September 2017

 

Anbei der Auszug:

 

..Die Autoren stellten bei 26 Prozent der unter 6-Jährigen und bei 33 Prozent der 7- bis 14-Jährigen eine PTBS(Posttraumatische Belastungsstörung) fest. Buchmüller et al. (2017) kommen zu ähnlichen Ergebnissen für 1- bis 5-jährige Kinder,………..

 

 Während die Rate einer Traumafolgestörung (wie der PTBS) in der deutschen Allgemeinbevölkerung bei 3 Prozent liegt (Maercker et al., 2008), ist sie in Stichproben von Geflüchteten um etwa das Zehnfache erhöht (Fazel et al., 2005), wobei neben einer PTBS auch depressive Störungen vorliegen. Insgesamt dürften etwa 50 Prozent der Geflüchteten unter irgendeiner psychischen Störung leiden (Attanayake, 2009; BAfF, 2016; Gäbel et al., 2015)………………….

 

In Familien mit kriegstraumatisierten Eltern sind ein defizitäres Erziehungsverhalten, ein Mangel an Fürsorge und die Anwendung von Gewalt gegenüber Frauen (Saile et al., 2013a) und Kindern (Catani et al., 2008b; Saile et al., 2013b) deutlich häufiger als in unbelastete(re)n Familien. Unglücklicherweise tragen gerade traumatisierte Kinder mit psychischen Auffälligkeiten in solchen Familien ein zusätzliches Entwicklungsrisiko, indem sie häufiger zu Hause verbale oder körperliche Gewalt erleben (Sriskandarajah et al., 2015a). Denn häufig sind Eltern (und andere Erziehungspersonen) damit überfordert, wie auf die Ängste, manchmal auch das aggressive Verhalten ihrer Kinder angemessen und ohne Ausübung oder Androhung von Gewalt zu reagieren sei. Elterliche (körperliche) Gewalt ist in vielen Fällen Ausdruck von Hilflosigkeit und einem Mangel an positiven Erziehungsstrategien und Formen elterlicher Zuwendung und Fürsorge……..

 

Es ist naheliegend, dass die bei einer PTBS ausgeprägte Übererregungssymptomatik, wie sie sich u. a. in erhöhter Reizbarkeit, Wutausbrüchen, Schreckhaftigkeit, gestörter Aufmerksamkeit manifestiert, sich auch in vermehrter Gewalt innerhalb der Familie äußert. Eine Reihe von Studien belegt dies……………………

 

Außerdem sind Kinder, die bspw. unter einer PTBS leiden, deutlich weniger leistungsfähig, sie können sich schlecht konzentrieren und ihren Aufgaben in Schule oder Haushalt nicht nachkommen. Eltern können solche Defizite als Mangel an Anstrengung oder „Widerstand“ bewerten und diese aus Unkenntnis und/oder Überforderung mit Drohungen, Beleidigungen oder sogar Schlägen sanktionieren.

Umgekehrt konnten positive Erziehungspraktiken der Eltern sowohl aggressives Verhalten der Kinder, welches als Folge erlebter politischer Gewalt aufgetreten war, reduzieren…wie auch bei ängstlichen, emotional belasteten Kindern stabilisierend wirken……………………..

 

Auf Grund der geschilderten Befundlage wird international…schon lange gefordert, die Erziehungskompetenz von Flüchtlingseltern zu unterstützen und entsprechende Trainings für Eltern schon in Flüchtlingsunterkünften anzubieten.

Dabei sollen den Eltern positive Erziehungsfertigkeiten vermittelt werden, die ihnen trotz ihrer eigenen traumatischen Erfahrungen und trotz ihrer in der Folge der Traumatisierung oft „schwierigen“ Kinder den Umgang mit ihren Kindern und die Alltagsbewältigung erleichtern sollen. Eltern sind für lange Zeit (und in belasteten Situationen ohnehin) die wichtigsten Bezugspersonen, und es muss alles versucht werden, dass auch in Flüchtlingsfamilien die Familie ein sicherer und stabiler Ort für Kinder und Jugendliche ist und bleibt……………..

 

Es wird berichtet, dass Flüchtlingsfamilien häufig eine „Kulturschockkurve“ durchlaufen… Bei Ankunft in der Aufnahmegesellschaft herrschen eher Zufriedenheit, Hoffnung und eine optimistische Erwartung vor, die mehr oder minder bald einer Ernüchterung und einem Schock im Angesicht all des Fremden weichen muss. Diese Phase gehe oftmals „mit einer Rückbesinnung auf Werte und Traditionen der Herkunftskultur einher, gleichzeitig ergeben sich Umbrüche im Familiensystem. Eltern können sich unfähig fühlen, die Rolle der Versorger der Familie hinreichend auszufüllen, Kinder hingegen werden „parentifiziert“(Umkehrung der Rollen Eltern-Kinder), indem sie zum Beispiel Gänge zu Ämtern übernehmen…………….

Kinder und Jugendliche können Ressourcen für den Umgang mit Belastungen entwickeln, was am besten gelingt, wenn sie in einer von Sicherheit und Verlässlichkeit geprägten Umgebung leben, in der zugleich Grenzen gesetzt und klare Regeln definiert werden, die von allen in diesem (Familien-)System geteilt werden. Umso dringender ist es notwendig, dass in Familien mit traumatisierten Familienmitgliedern sowie in Familien mit Fluchtbelastung generell Eltern mit den Grundzügen einer so definierten „positiven“ Erziehung und den daraus folgenden Erziehungsregeln vertraut gemacht und entsprechende Unterstützungsangebote bereitgestellt werden……

 

Gerade der Besuch einer Kindertageseinrichtung (Kita), einer Kindertagespflege oder einer Grundschule stellt für Kinder mit Fluchthintergrund eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe in unserer Gesellschaft dar.

Wichtige Anknüpfungspunkte für weitere Maßnahmen zur Unterstützung betroffener Kinder liegen neben den oben beschriebenen Ansätzen bei den Eltern, insbesondere bei den Fachkräften, die an der Betreuung von Flüchtlingen beteiligt sind und bei den in Bildungseinrichtungen tätigen Personen. Ihnen sollte ermöglicht werden, ihr Wissen über die Situation von Familien, Eltern, Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen zu erweitern und ihre Kompetenzen im Umgang mit ihnen zu stärken, damit ihnen die Unterstützung in den diversen institutionellen Einrichtungen bestmöglich gelingen kann…

 

Wie dringend dies geboten ist, zeigen die Ergebnisse der BeWAK-Studie 2016 (Befragung zur Wertschätzung und Anerkennung von Kitaleitungen, N = 2.100 Befragte): auf einer 6-stufigen Skala von „trifft voll und ganz zu“ bis „trifft überhaupt nicht zu“ auf die Frage hin, ob sie sich auf die Herausforderungen mit den Flüchtlingskindern gut vorbereitet fühlen, haben lediglich 2,4% dieser Aussagen vollumfänglich zugestimmt. Werden die drei Kategorien der Zustimmung zusammen-gefasst, so fühlen sich 43% vorbereitet, gegenüber 57,1% der Befragten, die sich nicht hierauf vorbereitet fühlen…….

 

„Lehrkräfte werden im Schulalltag zu oft alleingelassen“ (Morris-Lange et al., 2016, S.4). …..siehe auch  www.svr-migration.de)...........

 

Empfehlungen:

 

1.)          Psychosozialen Risiken von aus Kriegsgebieten geflüchteten Familien muss frühzeitig Rechnung getragen werden.

In Familien, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung von behandlungsbedürftigen Traumafolgestörungen, die sich auch im offenen Verhalten manifestieren, das Funktionieren im Alltag erschweren oder gar verhindern und in der Regel das gesamte Familiensystem belasten. Frühe Beratung, Hilfen und Unterstützungs-angebote für diese Familien, z. B. in Bezug auf gemeinsame Aktivitäten mit den Kindern, Zugang zu Bildung und anregende Formen der Freizeitgestaltung, aber auch Möglichkeiten der Belastungsreduktion im Alltag sind (lebens-)wichtig.

 

2.) Belastete Familien mit Kindern sollten möglichst - im besten Sinne des Wortes „familienfreundlich“ untergebracht werden.

……..Die äußeren Umstände der Unterbringung tragen wesentlich zur wahrgenommenen Sicherheit auf Seiten der Familien, ihrem Wohlbefinden und damit zu ihrer psychischen Stabilisierung bei….

 

Bezüglich der häuslichen Gewalt gegen Frauen sei… auf das ausdifferenzierte Hilfe- und Unterstützungssystem für von Gewalt betroffene Frauen hingewiesen, das auch geflüchteten Frauen und Mädchen offen steht. Über diese Angebote sollte mehr informiert werden.

 

3.) Traumatisierte Eltern benötigen Zugang zu geeigneten Angeboten zur Stärkung ihrer Erziehungskompetenzen.

Eltern, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind, brauchen Hilfen zur Wiedergewinnung oder Stärkung ihrer Erziehungskompetenzen. Diese Hilfen müssen familienorientiert und kultursensitiv sein, denn nicht selten löst die Ankunft in der Fremde bei diesen Eltern einen „Kulturschock“ aus; sie werden konfrontiert mit anderen Ansichten über Erziehung und das Aufwachsen von Kindern (wie über das Zusammenleben in Familien insgesamt). Die Reaktionen auf einen solchen Schock mögen individuell sehr verschieden sein und von Depressivität, zu Resignation, Kindesvernachlässigung oder einem destruktiven Erziehungsverhalten reichen bis hin zu Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung, die ihrerseits von Gewalt gegen Kinder und Erwachsene in der Familie begleitet sein können. Hilfen für solche Eltern können schon darin liegen, sie mit dem Prinzip der gewaltfreien Erziehung resp. dem Verbot von Körperstrafen vertraut zu machen und ihnen alternative erzieherische Lösungswege aufzuzeigen. Eltern sollen darin unterstützt werden, ihre Kinder liebevoll, konsequent und gewaltfrei zu erziehen. Dieses Prinzip der sogenannten „autoritativen“ Erziehung hat sich in vielerlei Hinsicht als förderlich erwiesen ………….

 

4.) Familien, die mit ihren Kindern aus Kriegsgebieten geflüchtet sind, brauchen leichten Zugang zu vielfältiger Unterstützung.

Eltern in diesen Familien brauchen eine vielfältige, nachhaltig wirksame Unterstützung zur Wiederherstellung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens aller Familienmitglieder. …… Vielfältige Formen von Online-Intervention haben sich bei unterschiedlichen psychischen Problemen und Erkrankungen als gut wirksam erwiesen, teils vergleichbar mit face-to-face Interventionen………………

 

5.) Informationsveranstaltungen zum angemessenen Umgang mit traumatisierten Personen, insbesondere Kindern, sollen entwickelt und breitflächig disseminiert werden.

Adressaten solcher Informationsveranstaltungen sollen frühpädagogische Fachkräfte, Lehrer(innen), ehrenamtliche Helfer(innen) und ggf. auch das Personal sein, das mit den geflüchteten Familien beruflich zu tun hat. ….

 

6.) Ausbildung und Supervision von Sprachmittlern und Dolmetschern müssen ausgebaut werden.

 

7.) Kinder und Jugendliche brauchen einen schnellen Zugang zu Bildung.

 

8.) Kinder und Jugendliche sollten ab ihrer Einreise umfassenden Zugang zum Gesundheitssystem erhalten - unabhängig davon, ob sie mit ihren Familien oder unbegleitet geflohen sind.

 

9.) Angesichts der hohen Belastungsrisiken sollten Screenings zur Abklärung von Interventionsbedarfen durchgeführt werden.

 

Soweit unser Auszug.

Zukünftig wollen wir die Zusammenarbeit mit den KiTa ́s und Schulen intensivieren.

So sind wir u. a.  in den Vorbereitungen zu einem Fragebogen, der uns Konkreteres liefern soll.

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Pressemitteilung 

Ehrenamtliche leben Willkommenskultur

 27.09.2017 // Im gemeinsam von Caritas und Bistum Trier getragenen Willkommensnetz sind viele Ehrenamtliche engagiert. Caritas und Bistum sagen Danke.

 

Der Einsatzwille und das Engagement der ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen und  -helfer im gemeinsam von Caritas und Bistum Trier getragenen "Willkommensnetz" sind weiterhin hoch. "Mit der Unterstützung von Flüchtlingen, zum Beispiel bei Behördengängen, beim Einstieg in die Schulbildung oder bei der Vermittlung in Praktika, bei der Sprachförderung oder in den vielen Willkommenscafés, übernehmen die Ehrenamtlichen eine wichtige Lotsenfunktion", so Diözesan-Caritasdirektorin Dr. Birgit Kugel. Anlässlich des "Tags des Flüchtlings" am 29. September unter dem Motto "Flüchtlingsrechte sind Menschenrechte" sprechen die Caritas und das Bistum Trier allen Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe ein herzliches Dankeschön aus. Dr. Kugel: "Menschenrechte kennen keine Grenzen und müssen uneingeschränkt für alle gelten. Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist ein wichtiges Zeichen für die nach wie vor lebendige Willkommenskultur und gegen Fremdenfeindlichkeit." Domvikar Dr. Hans Günther Ullrich, Abteilungsleiter im Bischöflichen Generalvikariat und dort zuständig für das Willkommensnetz, würdigt ebenfalls das hohe Engagement: "Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer ermöglichen den zu uns geflüchteten Menschen, in Kontakt mit der Gesellschaft zu kommen. Wir wissen aus zahlreichen Gesprächen, wie wichtig dies für das Ankommen in unserer Gesellschaft ist". Besonders erfreulich sei es, das immer mehr Flüchtlinge selbst aktiv werden, im Willkommensnetz mitarbeiten und so Integrationsarbeit mitgestalten. Ihre Mehrsprachigkeit und kulturellen Kenntnisse aus ihren Herkunftsländern sind wichtig für die Unterstützung anderer Flüchtlinge.

 

Info Willkommensnetz

 Seit 2015 engagieren sich das Bistum Trier und der Diözesan-Caritasverband im Rahmen des Willkommensnetzes gemeinsam in der Flüchtlingshilfe. Bis 2020 werden in diesem Rahmen acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

www.willkommens-netz.de

 

Terminvorschau:

25.11. Flüchtlingskonferenz Trier

30.11. Fachforum Familienzusammenführung 10:30-16:30 Robert Schuhmann Haus Trier

01.12. „Schwarz drüber“ – interkulturelles Kabarett,  Dorf Café Mandern,  Beginn 19 Uhr, (Anmeldung erforderlich !)

12.12. Austauschrunde der Engagierten in der Familienbegleitung,  19 Uhr, Lampaden, Gemeindehaus, oberes Stockwerk.  

„Save the date“: 17. Februar 2018, 10.00 – 16.00 Uhr, „Eine Welt ganz nah – Die Begegnung mit dem Fremden“; MGH Hermeskeil. Diese Veranstaltung ist eine Weiterführung des „Argumentationstrainings gegen Stammtischparolen“, und ebenso offen für weitere Interessierte. Anmeldung möglich beim Dekanat Hermeskeil (Pastoralreferentin Frau Scherer)

 

Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben einen schönen Herbst, bleiben sie BE-geistert.

 

Elisabeth Scherer Andreas Flämig

Dekanat Hermeskeil-Waldrach

06503/92288913

0160/94836739

Caritasverband Trier

06502/9356332

0160/99497121